| Hotel oder Herberge |
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Was hört und liest man so alles über die Herbergen am Weg! Verschieden sind die Ansichten, ob nun das Übernachten in Herbergen zu einer "richtigen" Pilgerreise gehört oder nicht. Oder ob es nur eine Qual ist, der man sich besser, und vor allem in der Sommerzeit, nicht aussetzt. Ein HP Kerkeling der ausgesperrt aus dem Schlafsaal, und trotzdem eingesperrt , in einem Durchgang, die Herberge nicht verlassen kann. Seltsame Mitpilger die einen nicht schlafen lassen, dafür aber schon um 16:00 im Bett liegen ? Quietschende Stockbetten, ein einziger Lichtschalter, der vom Herrn übers Licht um 22:00 betätigt wird und dann nie mehr wieder, ................ Mit diesen Kommentaren und gut gerüstet, mit den Schilderung aus Pilgerberichten, war eine Entscheidung zu treffen: Herberge, Hotel oder Zelt. Sicher war nur die Reise beginnt in Roncesvalles. Mit der Messe und einer Übernachtung in der Herberge. Beides gehört zumindest einmal zu einer Pilgerreise. Dann gab es gleich die erste Enttäuschung. " You are on the bycicle" ... Radpilger müssen in der Jugendherberge schlafen. Warum ist mir auch heute nicht klar. Radständer gibt es auch in der Herberge für Fußpilger. Ein wenig Enttäuschung machte sich breit . Der erste geplante Fixpunkt konnte schon einmal nicht eingehalten werden. Keine Pilgerherberge für mich - und alles nur weil ich mit dem Rad unterwegs war. Nach der Enttäuschung nicht in einer "richtigen" Herberge zu schlafen war ich dann doch ganz froh, zu Beginn der Reise, in kleineren Zimmern unterzukommen. Das Zimmer teilte ich mit einem deutschen Pilger der in Saint Jean gestartet war und seine erste Etappe hier beendet hatte, und 2 Spanier, die ich dann noch mehrmals traf. Und obwohl alle 3 keine richtigen Reisegefährten waren, so freute ich mich später doch immer wieder, bekannte Gesichter zu sehen. Die erste Nacht ist gut vorrübergegangen, und mit dem Vorsatz, solange es geht in Jugendherbergen zu übernachten, breche ich in Roncesvalles auf. Nichts hält so lange, wie gerade eben gefasste Vorsätze. So auch dieser . Als ich in Puente la Reina, meinem ersten Etappenziel, die Jugenherberge nicht auf Anhieb fand, dem Hotel beim Ortseingang nicht so richtig vertraute, obwohl es auch im Reiseführer Erwähnung fand, entschloss ich mich Unterschlupf bei den Padres Reparadores zu suchen. Eigentlich ein Priesterseminar betreut es auch die Pilgerherberge.
Als Letzter der müden Pilger angekommen, schon mit der Angst am Boden schlafen zu müssen, war doch noch ein Platz, ein richtiges Bett, frei für mich. Und der nächste Teil meines Abenteuers konnte beginnen. Wie ich später noch oft feststellte, bleibt den Letzten, und Jungen Auch kein wirklicher Nachteil. Das Gepäck der anderen liegt schon am Boden, da stört ein weiterer Rucksack kaum. Mein Stockbett, das sofort ausprobiert wurde, hatte hier noch eine speziellen Eigenart. Es quietschte bei jeder kleinsten Bewegung, zum Beispiel ein tiefer Atemzug, so dass man nicht sicher sein konnte ob es wohl bald zusammenbrechen würde. Mit 90kg oben und vielleicht 60 kg unten war die Gewichtsverteilung auch nicht allzu ausgeglichen und das, was man in der Mechanik beinahe ein instabiles Gleichgewicht nennt. So schlafen zu können bedarf einiger Übung und funktioniert nicht gleich. Aber auch die Neugier zu erfahren, was sonst noch alles passierte im Raum, verhinderte dies vorerst. Viele, die noch die Erlebnisse des Tages mit Mitpilgern aufarbeiten mussten, und viele, die schon länger unterwegs waren, hatten auch den Bruder Geruch mitgenommen, an den sich andere erst gewöhnen mussten. Aber um vier Uhr früh war es dann ruhig. Ein jeder schlief . Wenn auch nicht für sehr lange. Spätestens um sechs Uhr, manche schon eher - es ist immer noch dunkel- wagten sich die Ersten wieder auf den Camino. Motiviert nach einer ersten überstandenen Nacht , meiner Feuertaufe in einer richtigen Pilgerherberge, gab es kein Halten mehr und es war klar! nur mehr Pilgerherbergen. Nun könnte ich zu vielen Herbergen noch Geschichten erzählen. Wahrscheinlich wie ein jeder der den Weg schon gegangen ist. Gemeinsam haben sie alle dass ich irgendwie immer schlafen konnte, dass Ohrenstöpsel dabei hilfreich sind und dass ich viele Leute dadurch kennenlernete. Begegnungen, und Gespräche die nur am Camino passieren und die es nur dort gibt. Und dass mir ein Hotel nie gefehlt hat. Als Ergänzung noch einige Kommentare zu den Herbergen in denen ich übernachtet habe: In Navarrete , unterm Dach war es besonders eng , dafür waren einige "Schnarcher" besonders laut, in Atapuerca besonders heiss, in Mansilla de las Mulas , betrat ich einen Innenhof mit lauter Fusskranken die sich gegenseitig die Blasen pflegten, und trotzdem sehr zufrieden dasaßen, in Rabanal in der Albergue el Tessin saßen wir mit einer Gitarre am Abend draussen, später in Gonzar teilten schon erprobte Pilger gemeinsam mit "1- oder 2 Tages Kurz-Pilgern" eine Schlafsaal mit 40 Betten: überall war man in einer Gemeinschaft. Um diesen Bericht nun zu vervollständigen: dreimal im Hotel geschlafen.
In Santiago war der Wunsch nach einer Belohnung groß und auch hier fand ich, mit Glück, vollkommen verschmutzt, nach einem Tag im Regen, ein Hotel -Costa Vella - daß einen Besuch wert ist. Das Hotel war wirklich fantastisch und einen Besuch wert. Leider ist man bald wieder im Alltag zurück. Ein wenig kann er aber, wenn man hier im Garten sitzt, noch warten - der Alltag
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